Niedersachsens Ministerpräsident soll sich für Rentierzüchter, u.a. Sergei Kechimov einsetzen

Russland: Niedersachsens Ministerpräsident soll sich für Rentierzüchter einsetzen

Stephan Weil wird im russischen Tjumen erwartet (Pressemitteilung), 28.08.2015

Kurz vor seiner Abreise nach Russland hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil darum gebeten, sich dort für die indigenen Rentierzüchter einzusetzen. Die indigene Bevölkerung Chanten, Mansen und Nenzen im Gebiet Tjumen, das Weil besuchen wird, ist seit Jahrzehnten mit massiver Umweltverschmutzung durch Ölförderung konfrontiert. „Die Ureinwohner leiden deshalb unter Krankheiten und ihre Lebenserwartung liegt zehn Jahre unter dem russischen Durchschnitt“, erklärte die GfbV-Referentin für die GUS-Staaten, Sarah Reinke am Freitag. „Zudem werden jedes Jahr rund 500.000 Hektar als Weideland für Rentiere unbrauchbar.“ Die massiven Zerstörungen werden meist durch Lecks in den Leitungen und Verluste bei den Bohrungen und Förderungen, aber auch durch den Bau von neuen Straßen, Pipelines und Siedlungen hervorgerufen. Für einen Hektar, der zur Ölförderung genutzt wird, werden bis zu 15 Hektar Land zerstört.

Die GfbV hofft auf die Fürsprache Weils in einem besonderen Fall, der die Brutalität und Gleichgültigkeit deutlich macht, mit denen die Kultur und Lebensgrundlage der indigenen Völker in diesem Gebiet zerstört werden: Der chantische Rentierzüchter Sergej Kechimov, der Hüter des für die Ureinwohner heiligen Sees Imlor, ist unbeabsichtigt mit dem mächtigen Ölkonzern Surgutneftegaz in Konflikt geraten. Ihm drohen bis zu zwei Jahre Haft, weil er einen streunenden Hund von Ölarbeitern erschossen hat, der seine Rentiere angegriffen hat. Hunde sind in dem Gebiet um den See, das zum „Territorium der traditionellen Naturnutzung“ erklärt wurde, nicht erlaubt. Polizisten ließen Kechimov, der weder lesen noch schreiben kann, ein Schuldeingeständnis unterschreiben. Sollte er verurteilt werden, werde er die Haft nicht überleben, fürchten die Chanten. Die Ureinwohner würden mit ihm den letzten Hüter ihres heiligen Sees verlieren. Dies könnte den Untergang dieses kleinen Volkes bedeuten.

Dass Weil sich ausdrücklich mit Vertretern nichtstaatlicher Organisationen treffen möchte, begrüßte die GfbV. „Die Räume für zivilgesellschaftliches Engagement in Russland werden immer kleiner. Schon 87 NGOs wurden auf die „Liste der ausländischen Agenten“ gesetzt“, berichtete Reinke. Ihnen den Rücken zu stärken sei besonders wichtig, denn sie seien für viele Bürger die letzte Hoffnung, ihre Rechte zu verteidigen.


Petition zur Rettung der Chanten

Zur Rettung der indigenen Bevölkerung Chanten wurde vor wenigen Tagen eine Petition bei Change.org von Mikhail Matveev gestartet. Wenn die Chanten versuchen, sich gegen riesige Ölkonzerne zur Wehr zu setzen und ihr Land zu schützen, werden sie inhaftiert. Die Petition fordert eine Ende der Verfolgung und Umweltschutz für die Region. Wenn Sie die Petiton unterschreiben wollen, klicken Sie einfach hier: Petition zur Unterstützung der Chanten

(Die Petition wurde nicht von der GfbV gestartet und läuft über den externen Anbieter Change.org. Mit Ihrer Unterschrift stimmen Sie somit den AGBs von Change.org zu.)

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